Gemeinde Bühlerzell

Seitenbereiche

Jahreszeit wählen:

Wichtige Links

Start | Inhalt | Impressum

Volltextsuche

Hier informieren Unternehmen

Navigation

Falsche Medikamenteneinnahme birgt große Risiken - Neues Gesetz regelt Anspruch auf Medikationsplan / Zahlreiche Betroffene in der Region

Falsche Medikamenteneinnahme birgt große Risiken

Neues Gesetz regelt Anspruch auf Medikationsplan / Zahlreiche Betroffene in der Region

Schwäbisch Hall. Mit Wirkung zum 1. Oktober wurde ein neues
Gesetz rechtskräftig, das den Anspruch von Patienten auf einen Medikationsplan
regelt, wenn diese täglich drei oder mehr unterschiedliche Arzneien zu sich
nehmen müssen. Dies ist vor dem Hintergrund wichtig, dass zahlreiche
Medikamente gefährliche Wechselwirkungen haben können. Die AOK
Heilbronn-Franken hat die Sinnhaftigkeit der Regelung für Patienten aus dem
Landkreis Hall untersucht, die unter Bluthochdruck leiden.


Menschen mit Bluthochdruck nehmen häufig ACE-Hemmer und ein
Medikament zur Entwässerung (Diuretika) ein. Diese Medikamenten-Kombination wurde
im vergangenen Jahr im Landkreis Schwäbisch Hall an 2.211 AOK-Versicherte
verordnet. Kommen hier Schmerzmittel wie beispielsweise ASS, Diclofenac oder Ibuprofen
hinzu, kann dies zu akutem Nierenversagen führen.


In einer Studie wurde nachgewiesen, dass eine solche
Dreierkombination von Arzneimitteln das Risiko für eine Nierenschädigung um
mehr als 30 Prozent erhöht. Untersuchungen der AOK Baden-Württemberg haben
gezeigt, dass diese Medikamente trotz der hohen Risiken häufig zusammen
verordnet werden. Die Dunkelziffer ist vermutlich noch bedeutend höher, da
viele Menschen Schmerzmittel ohne Verordnung in der Apotheke kaufen.


Laut Bericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Gesundheit
in Deutschland 2016, nimmt ein Drittel der Über-65-Jährigen fünf und mehr
Arzneimittel regelmäßig ein. Dies geht mit einem stark erhöhten Risiko
unerwünschter Wechsel- und Nebenwirkungen einher. Das RKI schätzt, dass es in
Deutschland pro Jahr etwa 500.000 Krankenhausnotaufnahmen durch vermeidbare
Medikationsfehler gibt. Die Zahl der Todesfälle aufgrund von Polymedikation
wird auf jährlich 16.000 bis 20.000 geschätzt. Von Polymedikation spricht man,
wenn Patienten mehrere verschiedene Arzneien dauerhaft einnehmen.


„Diese Zahlen zeigen die Bedeutung des neuen Gesetztes für
die Patientensicherheit“, verdeutlicht Michaela Lierheimer, Geschäftsführerin
der AOK Heilbronn-Franken. Eine gute Nachricht sei: Ärzte verschreiben älteren
Patienten immer seltener Medikamente, die für sie ungeeignet sind oder sogar
gefährlich werden können. Nach einer Auswertung des Wissenschaftlichen
Instituts der AOK (WIdO) ist der Anteil der AOK-versicherten Patienten ab 65
Jahren, die mindestens ein für sie potenziell riskantes Medikament von der
sogenannten Priscus-Liste erhielten, von 29 Prozent im Jahr 2006 auf knapp 19
Prozent im Jahr 2015 gesunken. „Wir freuen uns, dass sich die
Medikationssicherheit für die Patienten verbessert, und engagieren uns dafür,
dass sich dieser Trend weiter fortsetzt“, sagt Michaela Lierheimer. Gleichzeitig
gewinnt das Thema Polymedikation an Bedeutung: So stieg
der Anteil der AOK-versicherten Patienten ab 65, die fünf oder mehr Wirkstoffe
im Quartal verschrieben bekamen, von 49 Prozent im Jahr 2006 auf etwa 55
Prozent im vergangenen Jahr.


Die AOK unterstützt niedergelassene Ärzte in Schwäbisch Hall
auf Wunsch dabei, potenziell gefährliche Kombinationen von Medikamenten bei
älteren Versicherten zu erkennen. Dafür wurde eine spezielle Software
entwickelt, die unter anderem Analysen zu den Themen Polymedikation,
Wechselwirkungen oder Priscus-Arzneimittel für ältere Patienten möglich macht. Mit
der Software lassen sich die Verordnungsdaten eines Vierteljahres in der Regel
sechs bis acht Wochen nach Quartalsende tabellarisch oder grafisch aufbereiten.
Dabei wird zum Beispiel die Verschreibung von Medikamenten analysiert, die auf
der Priscus-Liste stehen und für ältere Menschen potenziell ungeeignet sind.


Mit der verpflichtenden Einführung des Medikationsplans zum
1. Oktober ist das Thema Polymedikation noch stärker in den Fokus gerückt: Patienten,
denen mindestens drei Medikamente gleichzeitig verordnet werden, erhalten durch
ihre behandelnden Ärzte zukünftig einen Medikationsplan in Papierform. Nach
Berechnungen des WIdO werden nahezu 20 Millionen Versicherte der gesetzlichen
Krankenkassen in Deutschland einen Anspruch auf einen Medikationsplan haben.
Das entspricht einem Anteil von mehr als 28 Prozent aller 70 Millionen
GKV-Versicherten. 


 

Interesse?

Möchten auch Sie in dieser Rubrik inserieren? Bitte füllen Sie dann das Kontaktformular aus. Wir werden danach mit Ihnen Kontakt aufnehmen.

Weiter zum Kontaktformular

Lokale Redakteure

Die Inhalte auf dieser Seite werden von den Teilnehmern per Login online eingepflegt. Teilnehmen können Unternehmen, die ihren Sitz in Bühlerzell haben.