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Freizeit & Kultur | Gedenkstätte

Tragödie von Müttern und Kindern

Säuglingsgrab

"Ausländerkinderpflegestätte" genannt

Gedenkstätte Gantenwald

Millionen meist sehr junger Frauen und Männer aus der Sowjetunion und Polen wurden im Zweiten Weltkrieg zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Schwangere Zwangsarbeiterinnen aus Polen und der Sowjetunion wurden ab 1943 zur Abtreibung genötigt oder mussten ihre Kinder in Entbindungsbaracken zur Welt bringen. Nach acht bis zehn Tagen hatten sie an ihre Arbeitsstätten zurückzukehren. Die Babys blieben in den Baracken zurück, wurden in Betriebslagern "gehortet" oder in Säuglingslagern untergebracht.

Im NS-Sprachgebrauch wurden die Säuglingssammellager hochtrabend "Ausländerkinderpflegestätte" genannt. Sie wurden in Industrie und Landwirtschaft sowie im Bereich der Arbeitseinsatzverwaltung "in einfachster Art" eingerichtet. Über den Grad der Vernachlässigung entschieden Verantwortliche vor Ort. Die Intention war, den Nachwuchs der "Fremdvölkischen" durch primitive Unterbringung der Säuglinge, die hohe Sterberaten garantierte, drastisch zu reduzieren, ohne freilich den Arbeitseinsatz der Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen zu gefährden.

NS-Entbindungsheim

Ein solches NS-Entbindungsheim befand sich auch im Ortsteil Gantenwald. Dort kamen zwischen 1943 und 1945 insgesamt circa 50 Säuglinge unter sehr schlechten hygienischen Verhältnissen zur Welt. Eine Mutter und zwölf Neugeborene starben und wurden in der Nähe des Sammellagers begraben. Die Gräber waren mit schlichten Holzkreuzen versehen und wurden bis Anfang er siebziger Jahre regelmäßig - insbesondere durch Lehrer und Schüler der örtlichen Hauptschule - gepflegt; nach Auflösung der Hauptschule wurde die Pflege vernachlässigt.

Anfang der achtziger Jahre rückten die Entbindungsbaracken aus der NS-Zeit durch Forschungsarbeiten und Medienberichte wieder ins Bewusstsein - so auch das "Entbindungsheim" Gantenwald. Die Gemeinde ließ im Jahre 1984 mit Unterstützung des Kreisplanungsamts den kleinen Friedhof neu gestalten und trägt seitdem für die Pflege Sorge. Ein Gedenkstein erinnert an die Tragödie der Mütter und Kinder des Säuglingssammellagers Gantenwald.

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